Konflikt zwischen Türkei und Kurden Welche Auswirkungen haben die Kämpfe in Nordsyrien?

Die Situation zwischen der kurdischer Miliz YPG und der türkischen Armee in Nordsyrien verschärft sich immer weiter. Wie könnte sich der Konflikt auf Europa auswirken und was passiert mit den Dschihadisten? Ein Gespräch mit Professor Dr. Günter Meyer von der Universität Mainz, dem Direktor vom Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt.

Rahel Könen / cbi

Eng kurdesch Uniform
Eine kurdische Uniform. Foto: picture alliance / NurPhoto / Michel Stoupak

Was bedeutet der Rückzug der amikanischen Truppen aus Nordsyrien?

Das bedeutet, dass die kurdischen Truppen im Nordosten Syriens ihren wichtigsten Verbündeten verlieren. Es bedeutet, dass Erdogan damit keinen wirklich großen, militärischen Gegner mehr zu fürchten hat und sein Projekt durchsetzen kann.

Inwiefern gefährden die Einsätze der Türkei die internationale Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat?

Die Gefahr ist sehr groß, dass von den etwa 10.000 Dschihadisten des Islamischen Staates, die von den kurdischen Kämpfern gefangen genommen worden sind, davon in etwa 2.000 Europäer, die Schwächung der kurdischen Sicherheitskräfte dazu nutzen werden, um zu entkommen. Die Gefahr besteht durchaus auch, dass einzelne Dschihadisten sich nach Europa durchschlagen.

Medienberichten zufolge fliehen derzeit schon über 600.000 Menschen in Syrien vor der türkischen Armee. Könnte es zu einer neuen Flüchtlingswelle kommen? Inwiefern könnte sich dies auch auf Europa auswirken?

So wie die augenblicklichen Flüchtlingsbewegungen sind, handelt es sich darum, dass die Kurden aus dem Norden des Landes Richtung Euphrattal fliehen. Das Euphrattal ist die Grenze zu dem Gebiet, das von der syrischen Regierung in Damaskus kontrolliert wird. Das heißt, bisher ist es eine reine Binnenflucht.

Eine Flucht Richtung Europa von den Kurden im Nordosten ist sehr unwahrscheinlich, denn nach Norden in die Türkei können sie nicht, nach Süden und nach Westen sind die Sicherheitskräfte der Regierung Damaskus stationiert. Aus dem Grunde ist nicht davon auszugehen, dass es tatsächlich eine internationale Fluchtbewegung wird.

Wie sehen Sie die Verantwortung der Internationalen Gemeinschaft in diesem Konflikt?

Die internationale Gemeinschaft sollte alles tun um diese türkische Invasion zu verhindern. Es handelt sich um einen klareren Verstoß gegen das Völkerrecht. Dagegen wird verbal protestiert, aber nicht wirklich ernsthaft mit politischen Maßnahmen vorgegangen.

Wie wird der Konflikt sich in den nächsten Tagen und Wochen entwickeln?

Es deutet alles darauf hin, dass der Konflikt zunächst vor allem sehr blutig verlaufen wird. Der Beschuss, gerade auch der Zivilbevölkerung, der Siedlungen im Norden Syriens, deutet schon darauf hin, dass wir erhebliche Verluste unter der Zivilbevölkerung haben werden.

Aber auch die YPG, die kurdischen Volksschutzeinheiten, die gegen die Türkei kämpfen, werden unter anderem mit modernen MILAN-Raketen türkische Panzer abschießen. Es ist damit zu rechnen, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten sehr blutige Kämpfe, mit sehr vielen Opfern, und das nicht nur auf kurdischer Seite, haben werden.

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