Fräie Mikro Zur Geschichte der luxemburgischen Dörfer

Seit einiger Zeit haben viele Dorfchroniken in Luxemburg ein neues, hohes Niveau. Ein gutes Beispiel dafür sind Publikation über die Gemeinden Junglinster und Contern oder den Limpertsberg, sowie den Kanton Clerf. Diese Werke beschreiben zum Beispiel die Geschichte alter Häuser und die alten Hausnamen - wichtiges Wissen, das so bewahrt wird, findet Jochen Zenthöfer.

Jochen Zenthöfer / cbi

Meenung Jochen Zenthöfer
Jochen Zenthöfer

Bei der Bewahrung der Ortsgeschichte luxemburgischer Gemeinden ist seit einigen Jahren ein neuer Trend zu beobachten. Immer mehr qualitativ hochwertige Publikationen erscheinen, und sie arbeiten allesamt die Lokalgeschichte auf. Früher erfolgte so etwas in Broschüren über Vereinsjubiläen, etwa "100 Jahre Gesangsverein".

Heute halten wir Bücher in den Händen, die zum Beispiel das Gedächtnis über die Baugeschichte einer Gemeinde umfassend weitergeben - nicht unbedingt nach den neuesten wissenschaftlichen Kriterien, aber mit dem wichtigen Ziel, das mündlich überlieferte Wissen zu bewahren. Denn viel Wissen darüber wurde in der Vergangenheit nur in Ausstellungen von Dorfhistorikern präsentiert, die ohne Katalog geblieben sind. Das ist schade.

Die Publikationen müssen archiviert werden

Wenn ich nun im Folgenden auf einige dieser neuen Bücher hinweise, bleibt das eine subjektive Auswahl. Natürlich kenne ich nicht alles, und viele andere Werke haben es verdient, beachtet zu werden. Deshalb ist es wichtig, dass unsere öffentlichen Bibliotheken die Publikationen archivieren - sie werden dann in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu Rate gezogen, auch bei der wissenschaftlichen Inventarisierung der Baugeschichte des Landes, die inzwischen begonnen hat.

Im vergangenen Jahr ist in der Gemeinde Junglinster das Buch erschienen "Wenn Steine reden: ihre Geschichte - ihre Bauwerke". Es beschreibt Häuser, Straßen, Ortschaften, Gebäude, Kirchen, Wegkreuze, historische Namen, Dokumente, und Bäume der 12 Ortschaften der Gemeinde.

Das Wissen muss bewahrt werden

In ähnlicher Weise sollte das neue Werk der Natur- und Geschichtsfrënn Ieweschte Syrdall über Contern, Oetringen, Schrassig und Moutfort hervorgehoben werden. Es beschreibt unter dem Titel "Wer sind wir? Wo sind unsere Wurzeln?" zum Beispiel die Geschichte der alten Häuser und die alten Hausnamen in diesen Dörfern. Das ist wichtiges Wissen, das unbedingt bewahrt werden muss.

Die Lampertsbierger Geschichtsfrënn haben vor kurzem mit ihrem Werk "Lampertsbierg - Histoire d'un quartier florissant" einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung der Stadtteilgeschichte veröffentlicht. Und nicht vergessen darf man das schon seit 1979 währende Bemühen der Vereinigung "De Cliärrwer Kanton" mit seinen unverwechselbaren und wunderbaren Publikationen über die Nordregion. Und im Osten leisten Heimatforscher wie Fred Schaaf und Armand Reuland eine wichtige Erinnerungsarbeit.

Was nützt all das? Es ersetzt keine historische Forschung, wie sie an der Universität stattfindet. Und sie ersetzt kein wissenschaftliches Inventar der Baukultur des Landes, wie es von Kulturministerin Sam Tanson (déi gréng) forciert und gefördert wird. Aber die lokalen Initiativen leisten einen unverzichtbaren Beitrag bei der Sammlung und Einordnung regionaler Geschichte und Baugeschichte. Dafür gebührt ihnen unser aller Dank und unsere Anerkennung.


Bibliographie:

- Wenn Steine reden ...: die Gemeinde Junglinster von gestern bis heute - ihre Geschichte - ihre Bauwerke. Autoren: Armand Schleich, Sven Fiedler, Michel Schuller, Annette Weiwers-Probst. 2018. ISBN: 978-99959-0-404-3.

- Wer sind wir? Wo sind unsere Wurzeln? Natur - a Geschichtsfrënn Ieweschte Syrdall asbl. Autoren: Ferdy Dumont, Suzette Schmit-Lehnertz, Marco Schmit, Ferdy Schleck, Christina Mayer, Jos Medinger, Jochen Zenthöfer. 2019. ISBN: 978-99959-0-467-8.

- De Lampertsbierg: histoire d'un quartier florissant. Lampertsbierger Geschichtsfrënn asbl. Autoren: Anicet Schmit, David Dominguez Muller, Cynthia Colling, Stéphanie Ansay, Robert L. Philippart, Laurent Moyse, Alex Langini, Henri Bressler. 2018. ISBN: 978-99959-934-8-1.

- De Cliärrwer Kanton, neuestes Heft: 2019-1. Autoren: André Bauler, Anke Reitz, Gusty Graas, Paul Ihry, Monique Stoffel, Raymond Schaack, Martine Horsmans, Kevin Jans, A. Meyer, Annette Tremuth-Wollwert, Odile Simon, Gilles Wunsch, Jean Stephany, Marcel Wagner, Jo Goergen, Henri Bressler, Nadine Nicks, Jean-Paul Welter, Carlo Kremer, Edmond Kremer. Comité de rédaction: Christian Arend, André Bauler, Claude Huss, Adrien Wouters.


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