Buchkritik Dinge, an die wir nicht glauben: Fesselnd bis zum Schluss

Mike und Benson sind ein ungleiches Paar und ihre Beziehung steht auf wackligen Füßen. Beide wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Doch dann trennen sich unvermittelt ihre Wege. Mike fliegt nach Japan, um sich dort um seinen krebskranken Vater zu kümmern, und in Huston zieht Mikes Mutter bei Benson ein. Diese ungewöhnliche Konstellation bildet die Ausgangsbasis von Bryan Washingtons Debütroman "Dinge, an die wir nicht glauben". Darin rollt der 28-jährige Autor ungeschminkt und facettenreich die Beziehungsprobleme seiner Protagonisten auf und gewährt gleichzeitig Einblick in den US-amerikanischen Alltag.

Angelika Thomé / cz

Washington Memorial

Bryan Washington gilt als rising star der US-amerikanischen Literaturszene. Sein Roman "Memorial" ist gerade in der deutschen Übersetzung erschienen und trägt den Titel "Dinge, an die wir nicht glauben". Auf dem Cover des Buches sind die beiden Protagonisten schemenhaft abgebildet: Mike, der Koch mit den japanischen Wurzeln, und der Kindergärtner Benson. Benson ist - ebenso wie der Autor - schwarz; beide Helden sind - ebenso wie Washington - homosexuell.

Eine unglückliche Beziehung

Mike und Benson leben seit vier Jahren zusammen. Aber: Sie sind nicht glücklich miteinander, ihre Beziehung hängt an einem seidenen Faden. Zu den Paarproble-men gesellen sich gleich zu Beginn des Romans noch ein paar andere Probleme. Mikes Vater, der in Osaka lebt, ist an Krebs erkrankt; Bensons Vater ertränkt seinen Frust im Alkohol. Ihre Mütter haben sich schon lange von ihren Vätern getrennt. Und doch sorgen sich die beiden Frauen um ihre Ex-Männer, bzw. sorgen dafür, dass sich ihre Kinder um die Väter kümmern. Das kostet Benson und Mike Überwindung, denn sie haben sich von ihren Vätern entfremdet. Und: Ihre Väter wissen nichts von ihrer Homosexualität, bzw. wollen nichts davon wissen. Während Mikes Mutter nach Huston reist und sich bei Benson einnistet, tritt Mike die Reise nach Osaka an.

Der einsilbige, unnahbare Benson, aus dessen Perspektive Washington das 1. Kapitel des Romans erzählt, hat alle Mühe, sich mit der spröden Japanerin zu arrangieren. Und es widerstrebt ihm zutiefst, sich aktiv mit seinem alten Herrn zu befassen. Im 2. Kapitel heftet Bryan Washington sich an die Fersen von Mike. Der geht nach anfänglichen Schwierigkeiten seinem todkranken Vater zur Hand und wächst recht schnell in seine neue Rolle hinein.

Der Autor verliert die Bezieng der beiden Protagonisten nie aus den Augen

Bryan Washington stellt in seinem Roman zwei grundverschiedene Charaktere vor, die auf der Suche nach Liebe und Anerkennung sind. Der Vater-Sohn-Konflikt ist nur ein Beispiel dafür. Er dient dem Autor als Motor, um die Geschichte voranzutreiben und Themen wie soziale Herkunft, Familie, Gesellschaft und Hautfarbe einzubinden. Unterdessen verliert Washington die Beziehung der beiden Protagonisten, genauer gesagt ihre Wahrnehmung und Einschätzung der Beziehung, nie aus den Augen. Indem er die Perspektive wechselt, deckt er Widersprüche auf und Gemeinsamkeiten. Dabei taucht ein Aspekt immer wieder auf: Sex ist der Kitt, der die Beziehung von Mike und Benson zusammenhält. Doch anderweitige sexuelle Verlockungen drohen sie zu sprengen. Sex kann folglich nicht der Schlüssel für ihre Beziehung sein.

"Dinge, an die wir nicht glauben" fesselt von den ersten Seiten an: Der Roman ist facettenreich und mit leichter Hand geschrieben. Bryan Washington legt Sexualität und Alltagsrassismus ohne Rücksicht auf irgendwelche Sprachdiktate dar. Diese Unverblümtheit schmälert jedoch in keinster Weise die Intensität und Dringlichkeit, mit der er die Grundlagen von Identität, Partnerschaft und Liebe hinterfragt.

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