Buchbesprechung John O'Connell: Bowies Bücher

Seit seinem Tod im Januar 2016 werden die Fans von David Bowie regelmäßig mit neuen Informationen versorgt. Biografien, Comics, Interview- und Bildbände ehren und verklären den facettenreichen Ausnahmekünstler. Der britische Journalist John O'Connell beschränkt sich in "Bowies Bücher" auf eine einzige Facette von Bowie, die des enthusiastischen Lesers.

Angelika Thomé / cbi

Bowies Bücher
Fotomontage: Bigstock / woff; Kiwi-Verlag

David Bowie wechselte seine Gesichter wie das Chamäleon die Farben. Er dachte sich immer wieder neue Rollen und dazu passende Geschichten aus. Anregungen für seine Kunstfiguren, wie Ziggy Stardust oder den Thin white Duke, fand er u. a. in Büchern.

Bowie war ein Bücherwurm. Bereits in den Siebzigern führte er auf seinen Reisen eine mobile Bibliothek mit sich. Seit 1998 schrieb er Buchbesprechungen für die Buchhandelskette Barnes & Nobles.

100 Bücher

In der Ausstellung "David Bowie is", mit der das Victoria & Albert Museum den britischen Musiker 2013 feierte, durften Bowies Bücher natürlich nicht fehlen. Die Idee, einige seiner Bücher zu präsentieren, wurde schließlich durch eine Liste ergänzt, auf der Bowie 100 Bücher notierte, die sein Leben verändert hatten.

Diese Liste enthält Kunst- und Musikbücher, Bücher über Politik, Psychologie, Buddhismus und Okkultismus, Comics, Science-Fiction und viel Belletristik.

Bowie las sich kreuz und quer durch die Literaturgeschichte, von Homers "Ilias" und Dantes "Inferno" über T. S. Eliots Langgedicht "Das öde Land" bis zu den verstörenden Kurzgeschichten von Ian McEwan.

Seine Liste gibt u. a. Auskunft darüber, dass er sich den Städten, in denen er Station machte, über Bücher näherte. Das trifft auf New York ebenso zu wie auf Berlin: Isherwood und Döblin tauchen auf der Liste auf, aber auch Otto Friedrichs Bestandsaufnahme über das Leben in Berlin in der Weimarer Republik.

Bücher, die Bowie geprägt haben

David Bowies Liste zeigt nur einen Ausschnitt aus seiner lebenslangen Lesereise - und: sie ist kein Verzeichnis seiner Lieblingsbücher. Sie enthält nur die Bücher, die ihn nachhaltig prägten.

Man kann davon ausgehen, dass ein Künstler wie Bowie, der seine Identität hinter den verschiedensten Masken versteckte, sich intensiv Gedanken darüber gemacht hat, welche Bücher er auf diese Liste setzt. Auch das macht die Liste interessant.

Der Kontext zu Bowies Leben und Schaffen

John O'Connell hat sich die Liste vorgenommen. Er stellt die einzelnen Werke vor und setzt sie in einen Kontext zu Bowies Leben und Schaffen. Dabei entdeckt er etliche Parallelen; manchmal ergeben sich aus Umwegen Verknüpfungen, die zeigen, wie Bowie sich inspirieren ließ, sei es zur Ausschmückung einer seiner Kunstfiguren oder zu einem Songtext.

O'Connell, der als freier Journalist für die Times und den Guardian arbeitet, geht dabei mit großer Akribie vor. Und - das ist ein weiterer Pluspunkt - er verfällt nicht in Lobhudelei, er betrachtet den Verwandlungskünstler Bowie mit kritischen Augen. Sein Anliegen jedoch verfolgt er mit großem Enthusiasmus. Als besondere Zugabe folgt auf jedes der 100 Essays die Empfehlung für einen passenden Bowie-Song.

"Bowies Bücher" ist nicht nur ein Buch für Bowie-Fans, es ist auch ein Buch für Literaturfans. John O'Connells Buch, bzw. David Bowies Liste, verleitet zum Wiederlesen und zum Weiterlesen.

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