Griicheland Wirtschaftlech Reprise

Wann een de Statistike gleeft, dann erhëlt sech déi griichesch Wirtschaft esou lues. Fir dëst Joer gëtt mat engem Wirtschaftswuesstem vun engem bis zwee Prozent gerechent. Dat wier den héchste Wäert zënter néng Joer. Ass domat de Wee aus der Kris virgezeechent? Wéi nohalteg ass d'Reprise?

Alkyone Karamanolis / cbi

Kanner a Griicheland
Foto: Bigstockphoto / vverve

Essensausgabe in der Agias-Zonis-Kirche in einem Wohnviertel der Athener Innenstadt. Alte Leute, junge Leute, Obdachlose und Mittelklasse - und mittendrin Dimitra. Roter, gemusterter Anorak, Korkenzieherlocken - dreieinhalb Jahre alt. Als sie an die Reihe kommt, streckt sie der Köchin ihren Essenscontainer entgegen.

Die füllt vier Portionen ab, und Dimitras Mutter, eine gepflegte Frau Mitte dreißig, packt das Essen in eine Supermarkttüte. Draußen wird es aussehen, als wäre sie mit ihrem Töchterchen eben beim Einkaufen gewesen. Als nächstes: eine Rentnerin. Dann ein Endfünfziger. Es gibt heute Nudeln in dünner Tomatensuppe. Dazu für jeden ein Ei und ein Stück Weißbrot. Zum Sattwerden reicht das nicht. Vor allem nicht für die Obdachlosen, die seit gestern Mittag nichts mehr gegessen haben. Einer kommt zurück und bittet um ein zweites Ei.

"Die Eier sind abgezählt. Wenn ich Dir eins gebe, was soll ich dann den Kindern geben? Ach, komm, nimm eins. 10 Cent kostet ein Ei, das kann ich ihm doch nicht abschlagen!"

Mangelnde Vorräte

150 Menschen verpflegt die Gemeinde inzwischen. Neben dem Kühlschrank liegen die Kassenbons vom Metzger. Frau Georgia, die Köchin, möchte die Kosten mit dem Priester durchgehen. Reicht das Geld, oder muss sie die Einkäufe reduzieren? Dabei gibt es schon jetzt nur 50 Gramm Fleisch pro Person, und das auch höchstens zwei Mal die Woche.

"Erst gestern hat mir der Priester sieben weitere Personen geschickt. Ich habe ihm gesagt, es reicht nicht für noch mehr. Wenn ich mehr Essen ausgeben soll, muss ich bei den Portionen kürzen."

Frau Georgia weiß auch andere Tricks, um niemanden fort schicken zu müssen. Eine große Schüssel Wasser zusätzlich in den Topf, dazu Öl und Salz, und schon sind ein paar Portionen extra gezaubert. Vier bis fünftausend Euro geben sie monatlich für die Bedürftigen aus, sagt Priester Emmanouil Nirakis:

"Es ist ja nicht nur das Essen. Manche brauchen Hilfe, um die Stromrechnung zu bezahlen, andere haben kein Geld für die Nebenkosten oder schulden die Miete. Viele können sich den Arztbesuch oder die Zuzahlung für ihre Medikamente nicht leisten. Wir arbeiten mit einer Apotheke und verschiedenen Fachärzten zusammen, die diese Menschen für ein symbolisches Honorar, das wir Ihnen zahlen, behandeln."

Ein geringes Wachstum

In den acht Jahren, die die Krise nunmehr andauert, ist ein dichtes Hilfsnetzwerk entstanden. Jeder verzichtet auf etwas und hilft damit anderen Menschen in Not. Dabei deuten die Statistiken einen leichten Aufwärtstrend der griechischen Wirtschaft an. Das mag sein, erwidert Priester Emmanouil Nirakis, doch er habe seine eigenen Indices - und nach denen schaue es gar nicht gut aus.

Giorgos Argeitis, Professor für Makroökonomie an der Athener Universität und wissenschaftlicher Direktor am Arbeitsinstitut des griechischen Gewerkschaftsdachverbands äußert sich ähnlich verhalten:

"Aus unseren Zahlen geht hervor, dass sich die griechische Wirtschaft zwar stabilisiert hat, aber auf unterstem Niveau. Wir hören, dass nun Investitionen kommen werden. Aber sie sind noch nicht da. Und die Frage ist auch: woher sollen sie kommen? Wir haben außerdem noch zwei große Einschnitte vor uns. Eine weitere Absenkung der Renten in einem Jahr und die des Steuerfreibetrags in zwei Jahren. Um diese finanziellen Schocks abzufangen, bräuchte es immens viele Investitionen."

Die griechische Regierung geht für heuer von einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent aus. Bald werden die Konjunkturzahlen fürs dritte Quartal präsentiert, die wegen der Tourismussaison standardmäßig gut sind. Aufs ganze Jahr gerechnet rechnet Argeitis dennoch mit höchstens 1,3 Prozent Wachstum - mit mäßigen Zukunftsaussichten, wie der Ökonom hinzufügt. Denn der Staat hat die öffentlichen Ausgaben schon längst wieder eingefroren, um Geld für den Primärüberschuss anzusammeln. Dessen Höhe - Griechenland muss kommendes Jahr ein Plus von 3,5 Prozent erwirtschaften - ersticke den Wirtschaftsaufschwung im Keim.

Niedrige Löhne

Was das bedeutet, weiß auch Filippos Zouros. Dabei gehört der Manager noch zu denen, die Glück hatten. Gleich zu Anfang der Krise hat er auf Export umgeschwenkt. Sein Label "eat-greek" vermarktet griechische Lebensmittel weltweit. Als ehemaliges Aufsichtsratsmitglied weiterer Unternehmen kennt er aber auch die Lage auf dem griechischen Markt. Sein Eindruck: Es kann nicht viel schlimmer werden, doch besser werde es auch nicht.

"Die Verkäufe gehen immer weiter zurück. Es mag da Ausnahmen geben, aber für das Gros der Unternehmer schaut es schlecht aus. Heuer ist sogar an den Schultaschen gespart worden. Die Menschen sparen einfach an allem. Wie sollte es auch anders sein, wenn ihr Einkommen um 30, 40 Prozent gesunken ist und sie noch dazu absurde Steuersätze zahlen müssen."

Von den Lohnsenkungen hält Zouros daher nicht viel. Das Geld, das der Unternehmer so am einen Ende spare, verliere er am anderen - nämlich auf der Verkaufsseite.

"Vor allem die Jungen arbeiten für einen Hungerlohn. 450 Euro monatlich - das führt doch nirgendwohin. Ich sage das als Unternhemer. Es hilft nichts, den Gürtel immer nur enger zu schnallen. Unsere Angestellten sind doch auch Konsumenten! Das sind zwei Seiten derselben Medaille."

Zu hohe Steuern

Das wichtigste im Augenblick wäre, so der Unternehmer, die Steuerbelastung zurückzufahren. Mit dieser Meinung ist Philippos Zouros nicht allein. Gerade hat die Weltbank ihren "Doing-business-Report" veröffentlicht. Danach ist Griechenland im Vergleich zum Vorjahr um sechs Stellen abgerutscht. Nicht nur wegen der immer noch schwerfälligen Bürokratie, sondern auch wegen der hohen Steuern und Abgaben. Die liegen in Griechenland bei fast 52 Prozent, während sie in anderen entwickelten Ländern durchschnittlich 40 Prozent betragen.

Es gibt aber einen weiteren Faktor, den die Statistiken nicht erfassen - sagt Priester Emmanouil Nirakis:

"Die Menschen sind enttäuscht und verbittert, und sie bangen um ihre Zukunft - vor allem, wenn sie Kinder haben."

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