Meeresfische im Saarland Eine weltweite Neuheit

Meeresfische in einer Zuchtanlage mit Salzwasser - das gibt es nicht oft. Doch Doraden, Kingfische und andere Delikatessen werden erfolgreich im saarländischen Völklingen großgezogen und verkauft. In der weltweit ersten Anlage zur kommerziellen Produktion von Seefischen ohne Zugang zu natürlichem Meerwasser. In vier Pools und einem geschlossenen Kreislauf wachsen Doraden, Wolfsbarsche, Kingfische.

Birgit Pfaus-Ravida / cbi

Doraden
Doraden in der Fischfarm. Foto: Nicolas Zonvi.

Da schwimmen und springen sie, die kleinen Kingfische. Sie sind noch Babys, erst zwei Wochen alt, eben angeliefert worden. In der Quarantänestation sollen sie sich in der Meeresfischzucht in Völklingen erst mal aklimatisieren. Um dann nach etwa einem Jahr an Restaurants und Sushibars verkauft zu werden. Wichtig hier: Ruhe und eine gute Behandlung. Denn Fische sind anfällig für Stress. Für optimale Bedingungen sorgen hier die Mitarbeiter:

Peter Zeller ist unterwegs in "seiner" Meeresfischfarm in Völklingen. Mit jedem Mitarbeiter, wie hier mit dem 31-jährigen Eric aus Chile, hält der Chef einen Plausch.

"Wir haben ein sehr junges, sehr motiviertes Team. Super ausgebildet. Hatten das Glück, das Team komplett übernehmen zu können. Und haben es jetzt noch punktuell erweitert mit Spezialisten, einen haben wir getroffen, den Eric aus Chile, die eben Spezialwissen besitzen, das sie bei uns einsetzen im Team, um die Anlage noch erfolgreicher zu machen. "

Erste Finanzierungsprobleme

Vor drei Jahren übernahm der Schweizer Geschäftsmann aus Zürich die Fischzuchtanlage, die in finanzielle Not geraten war. Die Idee, so eine innovative Meeresfischzuchtanlage zu bauen, liegt schon über zehn Jahre zurück. Die Stadt Völklingen selbst trieb die Pläne damals voran, schöpfte EU-Fördermittel ab. 2009 wurde Richtfest gefeiert.

Der Geschäftsführer der Fresh Vöklingen GmbH, Peter Zeller an einem der Pools seiner Meeresfischzuchtanlage. Foto: Rich Serra

20 Millionen Euro wurden in die Anlage gesteckt. Doch erste Finanzierungsprobleme tauchten schon bald auf, Kritik an der Massentierhaltung wurde laut. Die Anlage wurde zum Politikum. Dennoch öffnete sie 2013 - mit Stören und Wolfsbarschen als erste Fische. Doch der Absatz war schleppend. Da kam der Schweizer Peter Zeller ins Spiel:

"Ich war vorher in einer Marketing-Consulting-Firma und da war ein Projekt etwas ähnliches in der Schweiz zu bauen, und da hat man das Projekt in Völklingen immer als Referenzprojekt beobachtet schon in der Bauphase und ind er Startphase - und wo es dann ins Stocken geraten ist, haben sich Leute daran erinnert, dass ich vielleicht die eine oder andere Möglichkeit hätte, da unter die Arme zu greifen."

Wie verkauft man den Fisch?

Mit seiner Ankunft startete dann eine große Marketing-Offensive. Aus der Meeresfischfarm wurde Fresh Völklingen. Peter Zeller arbeitete sich in das Meeresfisch-Thema komplett ein - und kann es perfekt verkaufen:

"Fresh hier in Völklingen betreibt die weltweit erste vom Meer unabhängige Meeresfischfarm. Das Spezielle ist, dass es gelingt, Meerestiere in hoher Qualität komplett losgelöst vom Meer zu produzieren. Vorteile: Die Fische sind in einer sehr kontrollierten Umgebung, für den Kunden eine hohe Sicherheit, was das Produkt betrifft, die Nachverfolgbarkeit ist lückenlos, auf der anderen Seite ist die Frische das wichtigste Kriterium natürlich bei Fisch. Die um ein vielfaches besser wird. Man gewinnt die gesamte Logistik-Kette natürlich, drei bis vier Tage, üblicherweise wenn man vergleicht, ein Fisch aus Griechenland, bis er hier ist, durch alle Hände gegangen ist, das dauert länger. Wir sind in der Lage, heute Fisch in drei Stunden aus dem Wasser nach Luxemburg zu liefern."

Mittlerweile beliefert Fresh La Provencale und andere Händler in Luxemburg, außerdem kommen die Fische nach Italien, die Schweiz und Deutschland. Besonderer Hit: Kingfische, die es sonst nur in Australien und Japan gibt und die besonders beliebt für Sushi sind.

Es kommen immer mehr Fische dazu

Außerdem wachsen hier Doraden und Wolfsbarsche heran. Die Mengen werden ständig gesteigert. Derzeit werden 200 Tonnen pro Jahr, in spätestens drei Jahren sollen es mindestens drei Mal so viele sein. Das ganze sei nur mit Spitzentechnologie machbar, sagt Zeller.

"Herausforderung der Fischzucht ist ja, relativ viele Tiere im kleinen Umfeld. Auch im Meer ist das Risiko von eingespülten Bakterien und Erregern und Verschmutzungspartikeln sehr hoch, und dort werden regelmässig Antibiotika eingesetzt, um die Fischbestände gesund zu halten, zu schützen und zu heilen allenfalls. Wir setzen bei uns keine flächendeckenden Antibiotika ein, weil das schon technisch nicht geht. Unser System basiert auf einer biologischen Wasserreinigung, die diese Medikamente überhaupt nicht aufnehmen könnte, abbauen konnte - und entsprechend die ganzen Filtersysteme zusammenbrechen würden. Damit ist technisch gesehen unmöglich, das zu machen. Das ist sicher ein großer Unterschied."

Wie geht es den Fischen?

Im Gegensatz zu Fischen aus dem Meer gibt es hier keine Schwermetalle und kein Mikroplastik - und: keine langen Wege. Und wie geht es den Fischen dabei?

"Sie sehen hier, die Pools, die Fische leben in verschiedenen Generationen hier in einem Pool, auch einzigartig, d.h. wenn die Fische mal im System sind, gehen sie nicht mehr raus. Sondern sie wandern von Bereich zu Bereich, ohne, dass sie nochmal aus dem Wasser genommen werden. Wir wissen, das reduziert den Stress der Fische, das Wohlbefinden wird erhöht und die Qualität des Produktes am Schluss."

Und wenn dann Schluss ist, wenn die Fische getötet werden - wie läuft das ab?

"Da wird jeder Fisch durch eine Röhre gepumpt. schwimmt im Wasser, durch Bereich, wo Strom auf seine Größe angepasst ist, dort wird er betäubt, irreversibel - das ist ein Unterschied zu anderen. Bei uns nach den europäischen Tierwohl-Gesetzen ist es wichtig, dass jedes Tier individuell getötet wird - das ist bei dieser Menge nicht so einfach."

Eine beispielhafte Anlage

Die Anlage gilt inzwischen weltweit als beispielhaft - auch, weil es den Fischen offensichtlich gut geht. Sie schwimmen wie in freier Natur als Schwärme. Davon kann sich jeder überzeugen - es gilt die Politik der offenen Tür, auch für kritische Gäste.

"Wir haben im Gegensatz zu früher gesagt: Jeder, der kommt, bringt auch etwas mit. Und eine so aufwändige und komplexe Aufgabe, die wir hier übernommen haben, und das praktisch ohne Vorwissen, führt dazu, dass wir uns sehr aktiv an diesem offenen Dialog beteiligen wollen. Und es hat sich sehr ausbezahlt für uns, weil jeder, der herkam, egal, welche Interessenslage da war, kommt und bringt etwas mit und gibt Hinweise durch Fragestellungen, die wir danach bearbeiten konnten.."

Und wie geht es in Zukunft weiter? Peter Zeller ist zuversichtlich:

"Jetzt sind die ersten drei Jahre vorbei. Wir haben uns etwa 5 Jahre gegeben, typischer 5-Jahresplan. Wir sind jetzt an dem Punkt, wo wir alle technischen Verbesserungen soweit umgesetzt oder in Arbeit haben, dass wir eben auf die Produktion der grösseren Mengen fokussieren. Sehr viele Jungfische einsetzen, um möglichst rasch an die Kapazitätslimits dieser Anlage zu kommen. Ich glaube, das ist der nächste spannende Schritt. Jetzt wird es dann endlech wirtschaftlich interessant, bisher war es eine Investition. Und wir werden versuchen, auch diese Erfahrung dann international weiterzugeben."

An der Mediathéik:

Dossier vum Dag / / Birgit Pfaus-Ravida
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