Wohnen Sozialer Wohnungsbau in Trier

In Luxemburg ist Wohnraum zu fairen Preisen eine Herausforderung, denn es gibt viele Menschen, die sich keine hohen Mieten leisten können. Jenseits der Grenze gibt es Modelle, die vielleicht einen genaueren Blick wert sind. Zum Beispiel in Trier-West. Hier leben die Menschen seit Generationen in einfachen Verhältnissen.

Birgit Pfaus-Ravida / cbi

trier west
Häuser in Trier-West

Jürgen Louis, 51 Jahre alt, ist in Trier-West verankert wie ein Baum im Mutterboden. Der Schrotthändler und seine Familie leben in einem Stadtteil, der, wie die Trierer sagen, "auf der anderen Moselseite" liegt. Viele mehrgeschossige Häuser, viele baufällige Sozialwohnungen. Doch die Bewohner sind stolz, hier aufgewachsen zu sein.

Der Zusammenhalt sei optimal, denn auch wenn es manchmal Meinungsverschiedenheiten gäbe, so helfe einer dem anderen. Das findet Jürgen richtig toll. Das wolle man erhalten, und nicht alles verkommen lassen. Er wäre auch bereit, den Bau zu säubern, damit alles schön ist, und damit sich die Kinder nicht wehtun. Man soll sich wohlfühlen können.

Oldschool, wie früher

Der 26-jährige Jens Prinz hilft an diesem Tag seinem Freund Jürgen Louis dabei, die Grünfläche rund um die Don Bosco-Halle in Ordnung zu bringen. Eine offizielle Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die der junge Mann aber gerne ausübt, denn es ist für sein Quartier. Und für ihr Quartier haben die Bewohner ganz eigene Wünsche, weiß Jens. Man würde selten einen anständigen Wohnraum kriegen. Das neue Polizeigebäude würde vom Bild her stören, meint Jens. "Wir wollen das wie früher. Oldschool. Alles sauber halten, aber im Gedanken, wie die Leute vor uns hier gewohnt haben."

Eine große Aufgabe für Stadtplaner. Alles wie früher und doch gleichzeitig sauber und ordentlich. Und das bei Häusern, die teils über 40 Jahre alt sind? Allen Bedürfnissen gerecht werden - auf der einen Seite der Schrotthändler, der Platz für Altmetall braucht, auf der anderen Seite die alleinerziehende Mutter mit vier Kindern, die sich saubere Spielplätze wünscht? Nicht einfach. Da heißt es Vermitteln zwischen den zuständigen Behörden und den Menschen vor Ort.

Beteiligung an der Stadtplanung

Ständig im Dialog mit den Bewohnern ist darum Quartiersmanagerin Renate Heineck. Die Bürgerbeteiligung laufe auf verschiedenen Ebenen: Wenn Konzepte erstellt werden gäbe es davor große Runden, wo verschiedene Möglichkeiten zur Debatte entstehen würden. Es wäre ganz wichtig, dass man das Gefühl habe, dass es um die eigenen Interessen geht und nicht über die Köpfe hinweg geplant wird.

Wie groß und an welchen Stellen im Quartier sollen die Gartenanlagen sein? Wo soll die neue Schule stehen? Wie klappt der Dialog mit den geflüchteten Menschen, die seit drei Jahren auch zum Bild des Stadtteils gehören? Für all diese Fragen gibt es Treffen, Gespräche - auch, um die Situation der anderen Menschen zu verstehen, die mit im Stadtteil wohnen. Dabei kann auch ein besonderes Projekt helfen, erzählt Renate Heineck: Ein Filmprojekt, in dem Flüchtlinge von heute und Vertriebene von damals zu Wort kommen, um einen Brückenschlag hinzubekommen. Das Schicksal sei das Gleiche, und die Bedürfnisse der Menschen würden die Gleichen bleiben.

Großes Potenzial

Heute leben Flüchtlinge und Alteingesessene hier gut zusammen, sagt die Quartiersmanagerin. Und das ist nur eine Herausforderung von vielen. So wie das Projekt "Soziale Stadt" auch nur ein Baustein von mehreren ist, wenn es darum geht, guten und preisgünstigen Wohnraum zu schaffen. Es gibt auch noch das Projekt " Stadtumbau". Nehme man beide Projekte zusammen, würde das den ganzen Stadtteil Trier-West umfassen.

Andere Quartiere wie die Jägerkaserne würden nicht zum Programm gehören, weil das Gelände in der Hand des Bundes lag. Dort sollen zwar verschiedene Wohnformen entstehen, die in erster Linie bezahlbar seien. Dann gäbe es noch das Bobinet-Quartier, ein sehr hochpreisiges Viertel, welches mehr in Richtung Mosel geht. Diese drei ineinander übergehende Gebiete würden eine spannende Einheit bilden. Ein großes Potenzial für den gesamten Stadtteil Trier-West, meint Renate Heineck.

Trier kauft ein ... und verkauft

Obwohl man beim Spaziergang kaputte Kasernengebäude auf der einen und schmucke Einfamilienhäuser auf der anderen Seite sieht, ist da laut Stadtverwaltung keine Trennung in Arm und Reich, gibt es keine Ghettos bei der Planung und im Alltag, betont die bisherige zweite Bürgermeisterin Angelika Birk. Wichtig wäre, dass ehemalige Militärgebäude an die Stadt verkauft wurden, damit eine gemischte Wohnbebauung ermöglicht wird. Man habe dafür auch schon stadtplanerische Entwürfe die in den Startlöchern stünden, um mehreren tausend Menschen Wohnungen in der Nähe der Stadt zu bauen.

Derzeit gibt es nur 650 städtische Sozialwohnungen mit Mieten zwischen 6 und 7 Euro pro Quadratmeter. Sie sind verteilt auf das gesamte Stadtgebiet - zu wenig für eine 100.000-Einwohner-Stadt wie Trier. Die Stadt musste in der Vergangenheit viele eigene Wohnungen verkaufen, weil in der Kasse zu wenig Geld war, sagt Angelika Birk. Es gäbe eine große Wohnungsnot im unteren Preissegment. Man habe lange bei den Sanierungen gezögert, weil die Anweisungen Seitens der Kommunalaufsicht der Verkauf dieser Wohnungen gewesen wäre. Trier sei eine hochverschuldete Stadt. Beim Amtsantritt habe Angelika Birk den Verkauf dieser Wohnungen gestoppt, auch wenn das nicht einfach war. Jetzt stelle sich die Frage, wohin mit den verbleibenden Wohnungen? Auch hierzu bräuchte man die Zustimmung der Kommunalaufsicht.

Private Investoren

Da musste also eine ganz neue Lösung her - nicht nur für Trier-West, auch für die anderen Gebiete mit sozialem Wohnungsbau, ob im Norden oder auf dem Petrisberg. Und so hat die Stadt Trier eine Idee entwickelt, die in dieser Form neu ist. Man werde in Zukunft über 700 Wohnungen haben, bräuchte aber über 1.000. Weiterhin sollen die Vorhandenen von Grund auf saniert werden, dies würde jedoch bis zu 20 Jahre dauern. Als öffentliches Amt würde dies etwas langsamer gehen. Diese Wartezeit wolle man verkürzen, und bräuchte ein erfahrenes Unternehmen mit Eigenkapital. Die Ausschreibungsbedingungen würden dann geändert werden. Die Mieter und die Miete würde man aber weiterhin selbst bestellen, plant Angela Birk. Ganz wichtig für die Mieter wäre, dass sich nichts an ihrer Sicherheit ändern. Lediglich einen schöneren Wohnraum würden sie sich wünschen.

An der Mediathéik:

Dossier vum Dag / / Birgit Pfaus-Ravida
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