Flüchtlingen helfen Zwei Luxemburgerinnen in Athen

Rund 50.000 Flüchtlinge stecken derzeit in Griechenland fest, zu eng gefasst waren die Kriterien für das zweijährige Umsiedlungsprogramm der Europäischen Union. Im besten Fall werden sie dort Asyl erhalten, doch auch damit sind ihre Probleme nur scheinbar gelöst. Griechenland steckt immer noch knietief in der Krise, die Arbeitslosigkeit liegt bei über 20 Prozent. Die Flüchtlinge sind in Griechenland in Sicherheit, doch eine Lebensperspektive haben sie nicht. Hier setzt das Projekt zwei junger Frauen aus Luxemburg an. "Ankaa" nennt es sich - nach dem hellsten Stern im Sternbild des Phoenix, der einst Seefahrern half, ihren Weg zu finden.

Alkyone Karamanolis / cbi

E Bléck op d'Akropolis.
E Bléck op d'Akropolis. Foto: Bigstock / photo_stella

Ein knappes Dutzend Leute sitzt um einen Schreibtisch. Zwischen den Laptops: Kaffeebecher, Wasserflaschen und eilig gemachte Sandwiches. Hier wird gearbeitet, schließlich ist noch viel zu tun, bevor das Hilfsprojekt in etwa einem Monat seine Tore öffnet. Sara Vispi, eine der beiden Initiatorinnen, führt ins obere Stockwerk. Was sie gerade aufziehen, wird eine Art privates Berufsbildungszentrum sein.

Ein Ort für Ausbildung und Freizeit

Geplant ist ein Ausstellungsraum, ein Klassenraum, eine Bibliothek und eine Küche. Eine professionelle Küche ist geplant, was eine Art Restaurant beziehungsweise Mensa für die Benutzer wird. Morgens wird das Mittagessen von einer Gruppe vorbereitet. Ausserdem ist ein Cafe geplant, wo Platz für Kaffee und Kuchen ist, und wo die Leute auch ein Buch lesen können.

Ein breites Fensterband gibt den Blick auf die Stadt frei. Das Gebäude, in dem Ankaa Revier bezogen hat, liegt in einem Industriegebiet unweit der Athener Innenstadt, und so thront über allem, zum Greifen nah, die Akropolis. Die Küche ist aber nicht ihr einziger Ausbildungsplatz, ergänzt Line Didelot, die Zweite im Gründungsteam. Wenn Ankaa demnächst an den Start geht, werden sich Flüchtlinge, aber auch einheimische Bedürftige in vielen Sparten ausbilden lassen können: Da gibt es die klassischen Handwerke Koch, Schreiner und Schneider, es soll aber auch Social Media Training, Computerkurse, Bewerbungstraining, Einführungen in Medientechnologie, Journalismus und vieles mehr geben.

Zusammen mit aneren Organisationen

Für die Initiatoren ist es wichtig hervorzuheben, dass sie selber keine Experten für alles sind. Es sei wichtig, mit anderen Organisationen zusammenzuarbeiten. Aus Erfahrung habe man gelernt dass, und das sei oft auf den Inseln der Fall, jeder für sich arbeiten würde. Man wäre aber in einer Situation, in der man wirklich zusammenarbeiten solle. Ankaa soll ein Kooperationsmodell sein, ein Netzwerk aus Organisationen, die zusammenkommen. Deswegen sei das Gebäude auch so groß.

Es geht weiter im Rundgang durch das Gebäude. In der Werkstatt richtet eine Gruppe von Freiwilligen gerade das Dach. Heute morgen hatten sie einen Termin mit dem Steuerberater, außerdem müssen zahlreiche Genehmigungen eingeholt werden. Zum Glück, erzählen sie, seien alle sehr hilfsbereit - auch in der Verwaltung. Das Startkapital haben sie mit einer Fundraising-Kampagne generiert, die Ausstattung besteht aus Spenden und aus Restbeständen. Unter den freiwilligen Helfern ist auch der 41-jährige Cris. Er arbeitet gerade an der zukünftigen Küchenausstattung:

"Früher war das hier eine Fabrik für Kücheninventar. Wir haben im Lager diese Metalltische gefunden. Um Geld zu sparen, richten wir sie wieder her, immer nach den Vorgaben der Gesundheitsbehörde natürlich."

Der Chilene kam als Kind mit seiner Mutter nach Griechenland, auf der Flucht vor der dortigen Militärdiktatur. Als 2015 Flüchtlingshelfer gebraucht wurden, ist er sofort eingestiegen. Nun arbeitet er monateweise in seinem Job als Koch, um sein Engagement zu finanzieren. Neben ihm werkelt Jolyon aus England - auch er jobbt regelmäßig daheim, um sich in Athen über Wasser zu halten.

Nicht Geld, sondern Frust als Motivation

Denn als Non-Profit-Organisation macht Ankaa weder Gewinne, noch vergibt es Gehälter. Trotzdem arbeiten Menschen aus vielen Ländern am Aufbau des Zentrums, sagen Sara Vispi und Line Didelot - und beschreiben ihre eigene Motivation:

Anlass wäre eine große Frustration über die Gesamtsituation in Europa gewesen. Die EU habe dann entschieden, die Grenzen dicht zu machen, und viele Leute wären hier blockiert gewesen. Das wäre eine politische Entscheidung gewesen, die nicht gerecht war, da nur Griechenland mit dem Problem konfrontiert war. Die geographische Position sei hier ausschlaggebened. Griecheland sei selbst in einer großen Krise, das wäre unfair von der EU gewesen.

Das Ziel: Überflüssig sein

Ein Stückchen weiter inspiziert ein junger Mann gerade Treppenhaus und Lift. Der 30-jährige Omar ist vor anderthalb Jahren aus Syrien geflohen. Seitem arbeitet der studierte Ökonom für verschiedene Nicht-Regierungsorganisationen. Seit einigen Tagen verstärkt er das Ankaa-Team.

"Ich habe in meinen zwei Jahren hier viele Projekte gesehen, aber was wir hier machen wollen, ist anders. Wir möchten die Flüchtlinge nicht von uns abhängig machen, sondern, dass sie lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Das ist unser Konzept, und das ist es auch, was die Flüchtlinge brauchen."

Im Juni sollen die Kurse starten. Wie es dann weitergehen soll? Ihr größter Erfolg wäre es, sagen Line Didelot und Sara Vispi, wenn sie hier irgendwann überflüssig würden, weil die Flüchtlinge das Projekt selber leiten. Sie selber haben jedenfalls schon viel gelernt, in etwa Dinge lockerer zu sehen, und weniger vom Leben gestresst zu sein.

An der Mediathéik:

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